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140225 stubenvollFIDE Generalsekretär Ignatius Leong ist zurückgetreten, wie aus Kreisen der FIDE verlautbart wurde. Österreichs erfahrendster Schiedsrichter Werner Stubenvoll wird an seiner Stelle mit der Leitung der Qualification Commission betraut. Stubenvoll ist bereits lange in verschiedenen Gremien der FIDE und ECU aktiv gewesen und kann in dieser Funktion seine Erfahrungen aus diesen Tätigkeiten einbringen. Höhepunkt seiner Schiedsrichter-Karriere war die Leitung des WM-Kampfes Anand gegen Topalov.

Hintergrund für den Rücktritt Leongs ist der bevorstehende Wahlkampf in der FIDE mit den Wahlen im Rahmen der Schach-Olympiade im August in Tromsö. Bereits beim letzten Kongress im November in Tallin wurde bekannt, dass Leong auf dem "Ticket" von Kasparov kandiditieren wird. Bereits damals wurde ihm von Kurt Jungwirth und einigen anderen Vorstandsmitgliedern aus Gründen der Unvereinbarkeit ein Rücktritt aus seiner Funktion als FIDIE Generalsekretär nahegelegt. Als bekannt wurde, dass zwischen Kasparov und Leong ein Vertrag geschlossen wurde demzufolge Leong mindestens 11 Stimmen aus Asien bringen muss und dafür Geldsummen fließen werden, hat auch FIDE Präsident Kirsan Ilyumshinov die Geduld verloren und von Leong den Rücktritt verlangt. Diesem Verlangen ist der Mann aus Singapur nun offenbar nachgekommen. Dass es sich dabei nicht um einen politischen Schlag der FIDE handelt belegt ein Vertrag, der im Rahmen einer Flucht nach vorne von Kasparov auf seiner Kampagnenwebsite http://www.kasparov.com offengelegt wurde (direkter Link: http://kasparov2014.com/2014/01/24/news-release-contracts-and-comments/

Unter Weiterlesen gibt es eine informative Stellungnahme aus dem kommenden Schach-Aktiv von Präsident Jungwirth zum krassierenden "Wahlfieber", die vor Bekanntwerden der aktuellen Ereignisse geschrieben worden war. (wk, Foto: FIDE)

 

 

 

Wahlfieber
Kurt Jungwirth

 

Im August gibt es in Tromsö nicht nur die Schacholympiade, sondern auch FIDE Wahlen. Ex-Weltmeister Garry Kasparow hat angekündigt, dass er gegen den amtierenden Präsidenten Kirsan Ilyumzhinov antreten wird. Das ist nicht neu. Schon vor vier Jahren unterstützte er die Kandidatur Anatoly Karpows gegen Ilyumzhinov. Die beiden Champions verloren haushoch mit 55 gegen 95 Stimmen für Ilyumzhinov. Beobachter sagten, die Unterstützung durch Kasparow hat Karpow eher geschadet. Kasparow ist ein großer Spieler, aber sein diktatorisches Auftreten kostet ihn manche Sympathien. Schon die von ihm gegründete Grandmaster Association, GMA, ist daran zerbrochen.

 

Stimmeneinkauf in Singapur

Ein wichtiger Partner Kasparows ist Ignatius Leong aus Singapur, seines Zeichens Generalsekretär der FIDE unter Ilyumzhinov. Nun wurde kürzlich ausgerechnet in der New York Times ein Vertrag publiziert, den Kasparow und Leong im September in Frankfurt unterzeichnet haben. Demzufolge erhält Leong 500.000 Dollar unter der Auflage, dass er mindestens 10 vertraglich abgesicherte Stimmen für Kasparow aus seiner Region in Südostasien und im Pazifik bringt. Schafft er 15, kriegt er noch mehr Geld. Dazu soll Singapur ein neues FIDE Büro mit Leong als Chef erhalten sowie einen weiteren Millionenbetrag für eine Schachakademie.

Stimmenkauf ist wie in der großen Politik auch in internationalen Sportorganisationen siehe Internationales Olympisches Komitee, leider nichts Neues. Kasparow hat auch die FIDE immer wieder dieser bösen Unsitte verdächtigt, ohne jemals konkrete Beweise vorzulegen. Dass er nun selbst vertraglich garantierte Stimmen einkauft, ist beachtenswert.

 

Rücktritt?

Ilyumzhinov ist ein deklarierter Schachenthusiast. Er hat durch seine Verbindungen dem Schach und der FIDE in seiner Präsidentschaft seit 1996 beträchtliche Mittel gebracht. Mit den bescheidenen Mitgliedsbeiträgen und Nenngeldern der FIDE wäre kein einziges FIDE Turnier zu finanzieren. Kasparows Gegenkandidatur begrüßt Ilyumzhinov als erfreuliche Rückkehr des Ex-Champions, die der FIDE eine sonst drohende Spaltung erspart. Für Leong, der Generalsekretär der FIDE ist und zugleich als zukünftiger Generalsekretär Kasparows auftritt, wird die Lage allerdings eng. Als geduldiger Buddhist hat ihn Ilyumzhinov nicht gefeuert, wohl aber öffentlich aufgefordert, das ethische Problem zu sehen, den Ruf der FIDE nicht zu beschädigen und zurückzutreten.

In Tromsö wird es nicht nur spannende Partien, sondern auch interessante Wahlen geben. Es kommt schließlich auch darauf an, wie die harten Kerne der Teams aussehen. Die Programme dürften sich ähnlich sehen. Da im Hintergrund der schwelende Kalte Krieg zwischen den USA und Russland seine Rolle spielt, kann auch ein Wahlkampf mit entsprechenden Untergriffen erwartet werden.

Europawahlen

In Tromsö gibt es auch Europawahlen. Die ECU, die European Chess Union, 1985 in Graz gegründet, umfasst 54 Föderationen. Präsident ist seit 2010 der Bulgare Silvio Danailow. Er wird sicherlich wieder kandidieren. Das Generalsekretariat in Belgrad leitet Sava Stoisavljevic.

Seine Gegenkandidatur hat Zurab Asmaiparaschwili angekündigt, der Großmeister aus Georgien, der seinerzeit mit einem Sensationssieg gegen Anatoly Karpow in der Schachwelt Schlagzeilen machte. Er ist in Tiflis Vizeminister für Sport. Sowohl Bulgarien als auch Georgien sind Schachländer. Beide Kandidaten haben den Vorteil starker Unterstützung durch ihre Staaten. Beide haben das Handicap, dass sie dezentral liegen. Sie müssen Verbündete in Mittel- und Westeuropa finden. Entscheidend können dabei Lage und Leitung des Generalsekretariats werden. Eine dritte Kandidatur ist derzeit nicht in Sicht. Es könnte also in Norwegen auch um die europäische Spitze einen Zweikampf geben.

Es ist bezeichnend, dass alle vier besprochenen Kandidaten aus dem europäischen Ost-Südosten kommen.


 

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