Den eher ereignislosen Remisen der ersten beiden Runden folgten bei der WM in Chennai zwei ereignisvolle in den nächsten beiden Runden, wobei bemerkenswerterweise in allen Partien die Nachziehenden das Geschehen bestimmten. In der dritten Runde eröffnet Carlsen wieder mit einem Königsfianchetto, attackiert das Zentrum diesmal aber mit c4, kommt aber wieder nicht so recht aus der Eröffnung und bietet um den 25. Zug eine Zugwiederholung an. Diesmal lehnt Anand aber ab und treibt die schwarze Dame nach h1. Carlsen muss seine ganzen Verteidigungkünste aufwenden um die Stellung zu halten. In der heutigen vierten Partie dreht der Norweger den Spieß um, schnappt sich in der Berliner Verteidigung einen Bauern auf a2 und hält diesen Mehrbauern die ganze Partie lang fest. Doch auch Anand zeigt sich in dieser spannenden Partie mit vielen taktischen Sticheleien auf der Höhe und erreicht ein rettendes theoretisches Turmendspiel. Der WM-Stand ist nun 2:2 und nach dem morgigen Ruhetag wird Carlsen zum dritten Mal die weißen Steine führen. (wk, Foto: Turnierseite)
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In der fünften Runde der Team-EM in Warschau trennen sich Österreichs Damen von Weissrussland mit 2:2. Alle vier Partien enden mit Siegen der Anziehenden. Anna Lena Schnegg spielt gegen Maria Nevioselaya (2074) nach drei unglücklichen Niederlagen in Serie ohne Fehl und Tadel, erreicht erneut eine gute Stellung und spielt diesmal den Punkt souverän heim. Die gleich gute Leistung zeigt Katharina Newrkla gegen Lanita Stetsko (2276). In der längsten Partie des Matches rettet sie das 2:2 und einen Punkt. Eva Moser und Tina Kopinits verlieren ihre Partien gegen Nastassia Ziaziulkina (2350) bzw. Tatiana Revo (2075). Moser eröffnet zu früh eine Front am Königsflügel, Kopinits stellt nach kreativer Eröffnung mit viel Zeitverbrauch die Partie im 24. Zug ein. Das Herrenteam verliert gegen Bulgarien mit 1:3. Markus Ragger kommt mit Schwarz gegen Topalov (2774) gut aus der Eröffnung findet dann aber im MIttelspiel gegen den Ex-Weltmeister nicht den richtigen Plan. David Shengelia holt sich gegen Krasimir Rusev (2539) die Qualität, die entstehende Stellung spielt sich aber leichter für den Bulgaren. Andreas Diermair versäumt gegen Radoslav Dimitrov (2445) in einer symmetrischen Stellung den rechtzeitigen Abtausch auf der einzig offenen Linie und wird überspielt. Den Ehrenpunkt holt Peter Schreiner in einer echten Kampfpartie mit wechselhaftem Verlauf gegen Vladimir Petkov (2570). In Summe schien es als wollten die Österreicher nach den bisher ausgezeichneten Leistungen zu viel und sind den Bulgaren ins offene Messer gelaufen. Heute ist in Warschau Ruhetag. Unser Team spielt morgen gegen Finnland erstmals in der Favoritenrolle. De Damen treffen auf Slowenien. An der Spitze gewannen die Damen der Ukraine gegen Polen mit 3,5:0,5 und sind nun allein in Führung, zwei Punkte vor Polen und Georgien. In der offenen Klasse gibt Frankreich gegen Ungarn einen ersten Punkt ab, bleibt aber mit 7 Punkten Tabellenführer vor Griechenland, Georgien und Aserbeidschan (alle 7). (wk, Foto: Turnierseite)
Ergebnisse bei Chess-Results: Offene Klasse, Damen
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Großartiger Auftritt der Wiener Schulen beim Internationalen Städteturnier Wien-Venedig Köln am 8./9. November in Venedig. Im U16-Bewerb (37 Vierer-Teams) siegte das GRG 16 Maroltingergasse vor dem GRG 3 Hagenmüllergasse. Im U 19-Bewerb (18 Teams) wurde das GRG 21 Ödenburgerstraße Zweiter. Damit reist der riesige Wanderpokal für die Städtewertung wieder für ein Jahr nach Wien. Es war die 14. Auflage des Internationalen Städte-Turniers Wien-Venedig-Köln, ein Schulschach-Mannschaftsturnier, das 1999 von Prof. Rubisch (GRG 3 Hagenmüllergasse) ins Leben gerufen wurde und seither abwechselnd in diesen drei Städten (und einigen mehr) ausgetragen wird. Sieben Runden zu 40 Minuten waren an eineinhalb Tagen zu spielen, diesmal in einem stimmungsvollen Turniersaal, nämlich der (aufgelassenen) gotischen Kirche Santa Catarina aus dem 11. Jahrhundert.
Das GRG 16 Maroltingergasse trat mit einem jungen Team im U16-Bewerb an (Felix Blohberger, Sophie Stichlberger, Jakob Schuh, Bianca Blohberger, Tim Stichlberger) und konnte in den letzten dramatischen Runden mit knappen Mannschaftssiegen alle Gegner aus dem Weg räumen. Überragende Leistungen auf den Bretter 1 und 2 lieferten Felix Blohberger (6/7) und Sophie Stichlberger (7/7). Im U19-Bewerb wurde das Team des GRG 21 Ödenburgerstraße (Fraundorfer, Wolfrum, Pock, Lang) hervorragender Zweiter und musste nur dem überlegenen Lyceo Veronese aus Chioggia den Vortritt lassen. (wk, Bericht/Foto: Martin Stichlberger)
Weiterlesen: Wiener Schulen erobern Venedig - GRG 16 Maroltingergasse gewinnt!
Eva Moser beendet ihre gestrige Partie der vierten Runde gegen Ex-Weltmeisterin Antoaneta Stefanova mit einem hübschen Mattangriff und sorgt damit für den österreichischen Höhepunkt des Tages. Dahinter gibt es reichlich Geschenke für die Bulgarinnen. Tina Kopinits bringt gegen Elitsa Raeva (2361) bereits im 12. Zug ein Scheinopfer, doch drei Züge später waren Schein und die Figur weg. Veronika Exler verliert in ausgegeglichener Stellung gegen Iva Videnova (2272) im 24. Zug den Faden und muss wenig später aufgeben. Unglücklich agiert weiter unser Teamkücken. Anna-Lena Schnegg überspielt Simoneta Ivanova (2046) klar, verpasst aber den "Killerzug" und kann die plötzlich schwierige Stellung nicht halten. Am Ende heißt es 3:1 für die Bulgarinnen. Im Match der Herren setzt sich die höhere Klasse der Russen durch. Allerdings fällt das 0:4 deutlich zu hoch aus. Markus Ragger spielt Alexander Grischuk (2786) an die Wand, hat 30 Züge lang klaren Vorteil und zweimal die Möglichkeit alles klar zu machen. In der Schlussphase stellt Ragger die Partie bei knapper Bedenkzeit ein. Shengelia und Schreiner wehren sich gegen Svidler (2752) bzw. Tomashevsky (2722) tapfer, aber erfolglos. Robert Kreisl verrechnet sich in Zeitnot gegen Andreikin (2710) und verpasst einen durchaus möglichen halben Punkt. Heute spielen die Herren gegen Bulgarien und Ragger voraussichtlich gegen Topalov. Die Damen sind gegen Weissrussland in der Favoritenrolle. In der Tabelle führen bei den Damen Polen und die Ukraine mit dem Punktemaximum (8), gefolgt von Georgien (7). In der offenen Klasse ist nur noch Frankreich ohne Punkteverlust. Dahinter folgen acht Mannschaften mit je 6 Punkten. (wk, Foto: Turnierseite)
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Ein heroisch kämpfendes österreichisches Herrenteam segelt gegen den dreifachen Olympiasieger Armenien (2006 Turin, 2008 Dresden und 2012 Istanbul) hauchdünn an einer Sensation vorbei und verliert am Ende unglücklich mit 1,5:2,5. Das Match beginnt mit einer ausgekämpften aber nie gefährdeten Punkteteilung von David Shengelia gegen Sergei Movsesian (2700). Zu dieser Zeit müssen Ragger, Kreisl und Schreiner leicht schlechtere Stellungen verteidigen. Das tun sie mit zähem Widerstand an dem Armenien beinahe zerbricht. Levon Aronian (2801) müht sich mit Weiß gegen Ragger sehr lange muss aber ebenso in eine Punkteteilung einwilligen wie Tirgran Petrosian (2660) gegen Peter Schreiner. Die Entscheidung musste in der Partie zwischen Gabriel Sargissian (2676) und Robert Kreisl fallen. Der Leobner hält seine nach der Eröffnung schwierige Stellung großartig zusammen und erreicht ein Damenendspiel. Bei immer knapper werdender Zeit verpasst er im 53. Zug eine forcierte Remisvariante und zieht den König auf das falsche Feld. Diese Chance lässt sich Sargissian nicht entgehen. Als Lohn für diesen unglücklichen Punkteverlust gegen die Nummer Zwei der Startrangliste bekommt es Österreich heute mit Russland, der Nummer Eins zu tun. Unser Damenteam hatte diese Ehre bereits gestern. Die angschlagenen Russinnen waren aber eine Nummer zu groß. Zwar hat Eva Moser gegen Valentina Gunina (2509) mit Schwarz lange Zeit gute Chancen und kurzfristig sogar einen Gewinn am Brett, verliert dann aber ebenso wie Newrkla gegen Kosteniuk (2510), Exler gegen Pogonina (2499) und Schnegg gegen Girya (2447). Heute wartet Bulgarien. (wk, Foto: Turnierseite)
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Die zweite Partie der Weltmeisterschaft in Chennai endet nach etwa eineinhalb Stunden Spielzeit im 25. Zug mit einem weiteren Kurzremis. Anand eröffnet mit dem Königsbauern und Carslen überrascht den Weltmeister mit Caro-Kann, gleicht problemlos aus und hätte mit einem Minoritätsangriff am Damenflügel langfristig wohl eher das angenehmere Spiel gehabt. Daher entscheidet sich Anand eine Zugwiederholung herbeizuführen. Psychologisch sind mit diesem Remis beide Gewinner. Carlsen darf sich über seine gute Vorbereitung mit Schwarz freuen, konnte andererseits aber Anand erneut nicht in eine lange Partie verwickeln. In der Pressekonferenz wirkten beide recht entspannt und sehen nach der ersten Abtastphase zuversichtlich spannenderen Partien entgegen. Die erste Möglichkeit dafür ist morgen, denn heute ist in Chennai Ruhetag. (wk, Foto: Turnierseite)
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Die EM könnte aus österreichischer Sicht zu Ende sein, liegt unser Herren-Team doch nach der zweiten Runde und einem erfreulichen 2:2 gegen die starken Rumänen mitten in der europäischen Elite auf Rang 9 in der Zwischentabelle. Gestern endeten alle vier Partien mit umkämpften Remisen, wobei Kreisl und Diermair gegen die GM´s Parligras (2576) und Nevednichy (2590) beeindruckend sicher die Stellungen im Gleichgewicht halten. Nur Ragger musste sich gegen Lupulescu (2630) gehörig strecken um nach einem spannenden Schlagabtausch das 2:2 zu sichern. Nie gefährdet war Shengelia mit Schwarz gegen Jianu (2565). Unsere Damen feierten gegen die Tschechische Republik, einen unmittelbaren Nachbarn der Setzliste, mit 2,5:1,5 in einem hartumkämpften Match einen ersten Sieg. Veronika Exler bringt Österreich überzeugend gegen WIM Olsarova (2248) mit 1:0 in Führung. Katharina Newrkla hält mit ihrem zweiten Remis gegen WIM Havlikova (2237) den Vorsprung, während Anna-Lena Schnegg gegen Olga Sikorova (2278) nach einigen taktischen Scharmützel mit einem Mehrbauern im Springerendspiel auf Sieg zu stehen scheint. Allerdings findet die junge Tirolerin nicht den besten Plan und verliert dann völlig den Faden und die Partie. So lag es an Eva Moser eine zwischenzeitlich schlechte Stellung gegen WGM Kulovana im Endspiel noch zu drehen und den Sieg zu sichern. In Summe ein verdienter Erfolg unserer Damen. International gesehen ist die zweite Runde ein Desaster für Russland. Die Damen verlieren gegen Israel (Startnummer 15 !!) ebenso mit 1,5:2,5 wie die Herren gegen die Türkei (18 !!!). Heute warten auf Österreich schwere Brocken und mit Armenien und Russland jeweils die Nummer Zwei der Setzliste. An den Spitzenbrettern spielen Aronian gegen Ragger bzw. Gunina gegen Moser. Beginn der Live Übertragung ist um 15:15 Uhr. (wk, Foto: ChessBase)
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Die erste Partie der WM geht psychologisch an den Weltmeister. Herausforderer Carlsen hatte in einem Interview angekündigt als Teil seiner Match-Strategie Anand in mögichst lange Partien zu verwickeln um ihn physisch "zu brechen". FIDE Präsident Ilyumzhinov führte für Carlsen als ersten Zug Sf3 aus und die Partie begann mit einem Königsfianchetto ohne Anspruch auf ein Theorieduell. Rasch wurde daraus ein Grünfeldinder. Anand zeigte sich in einer selten gespielten Nebenvariante bestens vorbereitet und ergriff mit Schwarz bereits im 10. Zug die Initiative. Carlsen blieb nichts anderes übrig, als das Remis zu suchen und sich auf eine Zugwiederholung mit Remisschluss im 16. Zug einzulassen. In der Pressekonferenz wirkte Anand entsprechend entspannt, Carlsen hingegen sichtlich unzufrieden. Die Botschaft war klar: "Es wird schwer ermüdende Partien in Serie zu produzieren, wenn der Gegner es nicht zulässt". Heute wird Anand zeigen wie er das Match mit Weiß anlegt. Die zweite Partie beginnt um 10:30 Uhr. Auf der Turnierseite gibt es kostenfrei eine Live-Übertragung mit ausgezeichneten Kommentatoren in englischer Sprache. Deutschsprachige Kommentierungen beitet ChessBase auf www.schach.de für seine Premium-Mitglieder ebenfalls kostenfrei bzw. gegen ein kleines Entgeld in der ChessBase Währung "Dukaten". (wk)
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Österreich ist die Überraschung der ersten Runde der Team EM in Warschau. Das rot-weiß-rote Herrenteam besiegt sensationell die höher eingestuften Holländer mit 2,5:1,5. Held des Tages ist Robert Kreisl, der sich in Polen offenbar pudelwohl fühlt. Nach seiner GM Norm bei der Einzel EM in Legnica bringt Kreisl seine Mannschaft gestern mit einem feinen Sieg gegen GM Jan Smeets (2620) mit 1:0 in Führung. Erwin L´Ami (2648) und Robin van Kampen (2618) müssen gegen David Shengelia und Peter Schreiner bald danach in Remisen einwilligen. Am Spitzenbrett versucht Anish Giri (2732) noch lange gegen Markus Ragger seine leichte Initiative auszunützen, aber Ragger spielt da nicht mit, findet den Remisweg und sichert den Mannschaftssieg. Damit ist Österreich das einzige Team der ersten Runde, das gegen eine höher gesetzte Mannschaft gewinnen konnte. Allerdings ist das Nivau hoch und viele Wettkämpfe verlaufen sehr knapp. Es gibt nur ein 4:0 von Rumänien gegen Wales, aber einige überraschende Punkteverluste der Favoriten wie beispielsweise von Armenien gegen Bulgarien oder Aserbeidschan gegen Schweden. Titelverteidiger Deutschland besiegt Israel knapp mit 2,5:1,5. Im Damenbewerb erweist sich Georgien für Moser und Co. doch als zu stark. Zwar sieht es nach den Eröffnungen an allen Brettern durchaus vielversprechend aus, aber unterm Strich bleibt nur das Ehrenremis von Katharina Newrkla gegen WGM Meri Arabidze (2374). Heute spielen die Damen gegen die Tschechische Republik und die Herren gegen Rumänien. (wk, Foto: ChessBase)
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Die mit Spannung erwartete Schach Weltmeisterschaft 2013 wurde gestern in Chennai offiziell eröffnet. Die Inder wählten für diese Gelegenheit das Nehru Indoor Stadium mit einem Fassungsvermägen von 30.000 Zuschauern. Den Berichten zufolge war das Stadion gut gefüllt und die Eröffnungsfeier auf hohem Niveau. In der Pressekonferenz hat Anand das Team seiner Helfer vor Ort bekannt gegeben. Neben Wojtaszek, Ganguly, Sandipan und Hariskrishna ist mit Peter Leko ein Überraschungsmann dabei. Carlsen seinerseits ließ sein Sekundantenteam im Verborgenen. Die erste Partie folgt morgen um 15:00 Uhr Ortszeit (10:30 Uhr in Österreich). Carlsen hat für den Auftakt die weißen Steine gezogen und wird gegen Anand den "ersten Aufschlag" haben. (wk)
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